Worauf baut die Bildung?

Die Zukunftsfähigkeit unseres Gemeinwesens wird von ihren Bildungsorten entscheidend geprägt neben den Mitschülern und Pädagogen wird der gebaute Raum  als dritter Lehrer bezeichnet und bildet einen prototypischen öffentlichen Raum für die Heranwachsenden. Dementsprechend, mit dem Schwerpunkt auf Kindertagesstätten und Schulen, sind gebäude- und freiraumbezogene sowie städtebauliche Fragestellungen im Zusammenhang mit pädagogischen und gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen zu diskutieren. Zu fragen ist, wie Bildungsorte eine ihrer gesellschaftlichen Bedeutung angemessene Gestaltung erfahren können. 

Als Spiegelbild zeigen Kindertagesstätten und Schulen den materiellen Stellenwert von Bildung in der Gesellschaft auf. Die Missstände im bundesdeutschen Bildungssystem werden nicht nur in mangelhaften Kompetenzen vieler Schülerinnen und Schüler erlebbar. Überalterte Schulbauten und -konzeptionen sowie wenig ansprechende Freiräume zeigen einen „baukulturellen Notstand“ auf. Dabei sind sie potentielle Räume der Integration unterschiedlicher Lebenswelten und somit Teil des öffentlichen Raums. Wie aber gelangen wir – über Sonntagsreden hinaus – zu einer adäquaten gesellschaftlichen Wertschätzung der Bauaufgabe Bildung?

Worauf baut die Bildung? Fakten, Positionen, Beispiele
Michael Braum, Oliver G. Hamm (Hg) 

Das Thema Bildung wird ebenso anhaltend wie kontrovers öffentlich diskutiert, selten jedoch als Teil der Baukultur. Nicht zuletzt spiegelt sich die Wertschätzung der Gesellschaft gegenüber ihren Kindern auch in der gestalterischen Qualität der Kindergärten und Schulbauten wider. Als Lernorte, aber vor allem als Lebensorte wirken sie nicht selten identitätsstiftend auf ihre Nutzer und ihr Quartier. Wie kann ihrer Bedeutung durch angemessene räumlich-architektonische Gestaltung entsprochen werden? Das Buch stellt in Expertenbeiträgen von Architekten, Pädagogen und Fachjournalisten die Anforderungen, Potenziale und aktuellen Tendenzen der Bauaufgabe dar, es stellt gebaute Beispiele und baukulturelle Empfehlungen zur Diskussion.

Seiten: ca. 136
Abbildungen: ca. 90 in Farbe, 40 S/W, 30 Zeichnungen
Format: 19.0 x 28.0 cm
Einband: Broschur
Preis: ca. Eur (D) 24.90/Chf 32.90
ISBN: 976-3-0346-0363-8 Deutsch

 

Projektbeispiele

Anfang April erschien der 1. Band „Bildung" des Berichtes der Baukultur. Im Folgenden stellen wir Ihnen Projekte aus der Publikation vor. 

Betriebskita der Metro Group, Düsseldorf

Ein von mehreren Straßen eingeschlossenes Restgrundstück an der Nahtstelle zwischen einem Betriebsgelände und einer Wohnsiedlung, das Platz bietet für zwei Kita-Gebäude. Ein Beispiel für privatwirtschaftliche Verantwortungsübernahme.
Kindertagesstätte Griechische Allee, Berlin

Die Kita, die den Griechischen Park in Berlin ergänzt, ist Beispiel für Umbau und Erweiterung eines Gebäudes aus den frühen 1950er Jahren in eine fast ideale „Kinderwelt“. Charakteristisch für das Projekt ist die enge Verbindung von Innen- und Außenräumen, von Architektur und Freiraumplanung.
Kindertagesstätte „Plappersnut", Wismar

Auch Bildungsbauten wurden in der DDR in Plattenbauweise errichtet, darunter 1972 auch die Kita „Plappersnut“. Eine Sanierung war unumgänglich. Heute steht das Gebäude als Beispiel für eine energetische Sanierung mit Mehrwert und eine interdisziplinäre Bearbeitung.
Katharinenschule, Hamburg

Als erste Schule in der neuen HafenCity teilt sich die Ganztagesgrundschule mit Hort und Kita einen Baublock mit einem Wohntrakt und schafft es damit, unterschiedliche Lebenswelten im urbanen Kontext zu verbinden. Eine Besonderheit stellt der Schul- und Spielhof dar, der aufgrund des ebenerdigen Freiflächendefiztes auf dem Dach des Gebäudes angelegt ist. 
Grundschule Helsinkistraße, München

Aus der verbindlichen Vorgabe, einen eingeschossigen Bau zu entwerfen, entwickelten die Planer in städtebaulicher Verknüpfung ein abwechslungsreiches Ambiente und schufen eine Art pädagogisches Konzept: Lernen in und vor den Klassenzimmern, die sich jeweils zu großen Freiräumen öffnen
Martinszentrum, Bernburg

Das Projekt in kirchlicher Trägerschaft reagiert auf die Schrumpfung der Stadt und revitalisiert Stadt und Kirchengemeinde. Charakteristisch ist die enge Verzahnung von neugotischer Martinskirche und u-förmigem Neubau. Grundschule, Kindergarten und Hort verfügen damit, eingebettet in das vertraute Quartier, über einen gemeinsamen Lernraum.
Grundschule, Schulzendorf

Umbau und Erweiterung einer in der DDR als „Typenschule Magdeburg“ entstandenen Grundschule zu einer neuen identitätsstiftenden Architektur. Charakteristisch für die „bewegungsfreudige“ Grundschule sind die vielen öffentlichen und halböffentlichen Flächen, die zu einer flexiblen Nutzung anregen und sich zur Nachbarschaft hin öffnen. 
Erika-Mann-Grundschule, Berlin

Unter Beteiligung der Nutzer entstanden in der Erika-Mann-Grundschule funktional und räumlich wirksame Interventionen, die die Atmosphäre des Gebäudes verändern und in der Komplexität ihrer Funktionen eine ganz eigene Bildungslandschaft entstehen lassen.
Internationale Friedensschule, Köln

Durch die enge Zusammenarbeit mit den Nutzern wurde in dem privat-öffentlichen Bauvorhaben, Kita mit Vorschule, Grundschule und weiterführende Schule mit gymnasialer Oberstufe, die pädaogische Grundidee, eine Internationale Schule und ein mehrsprachiges Gymnasium zu kombinieren, in der Raum- und Freiflächengestaltung umgesetzt. 
Evangelisches Gymnasium, Bad Marienberg

Pädagogik und Architektur stehen bei dieser Schule im Einklang. Die zwei Gebäudeteile mit Klassen-, Fach-, Frei- und Zwischenräumen geben Raum für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzer.
Schülerhaus des Friedrich-Eugens-Gymnasium, Stuttgart

Durch die Umstellung auf Ganztagesbetrieb entstand der Bedarf nach einem Ergänzungsbau für die Mensa sowie Hausaufgaben- und Entspannungsräumen. Der würfelartige Neubau springt stadträumlich bewusst aus der Reihe und lebt vom Kontrast der offenen, öffentlichen und geschlossenen Zonen. 
Schulzentrum Schreienesch, Friedrichshafen

Erweiterung und gestalterische Neuinterpretation bei gleichzeitiger energetischer Sanierung eines Schulgebäudes aus den 1970er Jahren. Mit dem Umbau der Grund-, Haupt- und Werkrealschule im sozialen Brennpunkt entstand ein positiver neuer Lebensraum, der hilft das Bewusstsein für eine Wertschätzung der Umwelt zu entwickeln. 
Hilde-Domin-Schule, Herrenberg

Ein Neubau mit eigener Identität zur Erweiterung des Haus- und Landwirtschaftlichen Schulzentrums. Das von Holz und Glas geprägte Gebäude öffnet sich zur Landschaft und verbindet Innen- und Außenraum auf vielfältige Weise. 
Aula der Max-Taut-Schule, Berlin

Zentrum des bereits in der Weimarer Republik errichteten Reformschulbaus ist die Aula, die im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt und ab 2005 im Zuge der denkmalgerechten Sanierung des gesamten Schulzentrums wieder aufgebaut wurde. In ihrer heutigen gleichzeitig schulinternen und öffentlichen Nutzung wird die bereits von Anfang an vorhandene Funktion der Aula als soziales und kulturelles Zentrum weitergeführt. 
Domsingschule, Stuttgart

Mit der Domsingschule, einer kirchlichen Musikschule, wurde ein Neubau für die Chöre der Stuttgarter Dommusik geschaffen, der bereits durch seine skulpturale Form im Stadtbild seine Sonderfunktion aufzeigt. Gleichzeitig fügt er sich harmonisch in den Baublock ein und leistet so einen Beitrag zur „Stadtreparatur“.