Wo verkehrt die Baukultur?
Verkehrsgerechte Schneisen, sicherheitsoptimierte Abgrenzungen und auf den Extremfall ausgelegte technische Anforderungen prägen den öffentlichen Raum unserer Städte. Oftmals auf die Bedürfnisse des Autofahrers ausgelegte Querschnitte erfahren ihre verkehrstechnische Optimierung durch im eigenen Gleisbett geführte Strassenbahntrassen. Deren Haltestellen oder die der Omnibusse künden eher von fördertechnischen Anforderungen und Pflegeleichtigkeit als von einer sensiblen Einbindung in den öffentlichen Raum. Die Integration von Verkehrsbauten und auch von Brücken in Stadt- und Landschaftsräumen findet wie deren tragwerksplanerische Gestaltung allzu selten unter ästhetischen Gesichtspunkten statt. Wie aber schaffen wir es, dass die gestalterischen Potenziale unserer Verkehrsräume ausgenutzt werden?
Neben dem rein verkehrstechnischen Nutzwert dominieren wichtige Sicherheitsaspekte und (scheinbar) unbeugbare Fördermodalitäten gegenüber dem Gestaltwert von Infrastruktur. Allzu zögerlich finden integrierte Verkehrsplanungen Einzug in etablierte Strukturen, bei denen Menschen gemeinsam Verantwortung für das Miteinander von Verkehrsträgern und für deren Auswirkungen auf den Stadtraum übernehmen anstatt allein der Vielzahl von Richtlinien zu folgen. An welchen Stellen muss Baukultur ansetzen, um Verkehrsplanungen und -bauten entstehen zu lassen, die der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden?

Wo verkehrt die Baukultur? Fakten, Positionen, Beispiele
Michael Braum, Olaf Bartels (Hg) April 2010
In den Städten dominiert der Verkehr den öffentlichen Raum. Wie aber präsentieren sich Verkehrsräume und Verkehrsbauten als Teil der Baukultur? Wie bauen wir für den Verkehr? Was sind die Mobilitätskonzepte des 21. Jahrhunderts? Welchen Lebensraum schaffen Bahnhöfe, Haltestellen, Brücken, Parkhäuser und städtische Orte, an denen viel Verkehr herrscht? Und wie stehen sie im internationalen Vergleich da? Das Buch diskutiert Verkehrsbauten als Teil unserer Alltagsarchitektur, gibt Experten das Wort, stellt gebaute Beispiele und baukulturelle Empfehlungen zur Diskussion.
Seiten: ca. 136
Abbildungen: ca. 90 in Farbe, 40 S/W, 30 Zeichnungen
Format: 19.0 x 28.0 cm
Einband: Broschur
Preis: ca. Eur (D) 24.90/Chf 32.90
ISBN: 976-3-0346-0363-8 Deutsch

Ein neu eingerichteter Bahnhofsvorplatz, der die verschiedenen Verkehrsstränge verknüpft und die Gäste der Stadt in einer angenehmen Atmosphäre empfängt und verabschiedet. Dies gelingt durch geschickte Freiraumgestaltung und unauffällige Lenkung des Auto- und Fußgängerverkehrs.


Die Umgestaltung der Siedlung am Mittleren Ring, die 1957 angelegt wurde, zeigt den zeitgenössischen Umgang mit Siedlungsstruktur und Lärmproblematik. Bei der notwendigen Sanierung ist es gelungen das Notwendige mit dem Nützlichen zu kombinieren und eine gute Erreichbarkeit mit einer hohen Wohnqualität zu verbinden.



Das Projekt zeigt, wie sich durch Freiraumgestaltung auf die Problematik der Stadtschrumpfung reagieren und eine Wertschätzung von Alltagsräumen erreichen lässt und wie die Planung von Straßen mit Anspruch auf Qualität und Dauerhaftigkeit konsequent von der Gestaltung des Stadtraums ausgehend gedacht werden kann.

Der Pragsattel in Stuttgart mit seiner mehrspurigen Straße und der Stadtbahntrasse in der Mitte ist von Verkehr geprägt und gleichzeitig das Tor zur Stadt. Die Gestaltung der Brücke zeigt, wie durch hohe Ingenieurbaukunst ein solcher „Unort“ räumliche Qualität entfalten und positiv konnotiert werden kann.

Die U-Bahn Station zeigt eine komplizierte bauliche und städtebauliche Situation. Durch den Umbau der Station gelang es jedoch mit der neuen Bahnsteigüberdachung ein ästhetisches Zeichen im Alltagschaos dieses Zwischenraumes zu setzen.

Das unter Denkmalschutz stehende Parkhaus erhält eine extravagante Erweiterung mit starker architektonischer Signalwirkung und gewinnt damit mehr als reinen Parkraum hinzu.

Der neue ZOB liegt mitten in der Stadt und in der Nähe des Hauptbahnhofes, einem der wichtigsten Knotenpunkte für den öffentlichen Nahverkehr. Er verbindet auf mehreren Ebenen Verkehrsnutzung, Büro- und Einkaufsort und zieht damit eine heterogene Nutzergruppe an.

Bei der Revitalisierung des denkmalgeschützen Bahnhofs aus dem Jahr 1925 sollte das Gebäude sowohl dem ursprünglichen neoklassizistischen Zustand angenähert werden als auch eine moderne zeitgenössischen Ergänzung geschaffen werden, um eine hohe Aufenthaltsqualität zu erreichen und das Entree der Stadt zu qualifizieren.

Die neue Brücke im Medienhafen in Düsseldorf ist Teil der Umstrukturierung des ehemaligen Industrieareals. Sie verkürzt die Wege durch das Hafengebiet und zeigt, wie auch ein Transitort zum Aufenthaltsraum werden kann.

Durch die Neuorganisation des Verkehrs wurde der Stadtraum für die Bewohner wiedergewonnen und ein neuer großzügiger Quartiersplatz angelegt. Die Stadt gewinnt durch den Freiraum nicht nur an Qualität, sondern es wird auch ein wichtiger Beitrag zur Stadtreparatur geleistet.

Das Teminal schließt als Bauwerk eine wichtige städtebauliche Lücke und zeigt in seiner Gestaltung die Wertigkeit im Selbstverständnis des ÖPNV.

